Literatur an erlesenen Orten

Im Rahmen unserer IBC-Reihe LITERATUR an ERLESENEN ORTEN fand im Juli 2026 diese berührende Lesung zum Schicksal der syrischen Mutter Batoul Marandi im Palmenhaus statt.

Donnerstag, 23. Juli 2026, 19:00 Uhr

Palmenhaus,
Zum Hussenstein 12
78462 Konstanz

Vor 40 Jahren wurde die Syrerin Batoul Marandi in Aleppo geboren, verlebte dort eine unbeschwerte Kindheit, wurde Lehrerin, heiratete und wurde Mutter von drei Kindern. Dann brach der Krieg aus, ein Bruder fiel, das Elternhaus wurde zerbombt, ihr Vater unter den Trümmern verschüttet. Auch ihr Mann kam ums Leben. Sie flüchtete mit ihren Kindern, eineinhalb, knapp drei und sechs Jahre alt, durch syrische Wälder, wurde in letzter Minute durch die griechische Wasserschutzpolizei von einem sinkenden Schlauchboot gerettet und kam in mehrere Auffanglager, in denen katastrophale Zustände herrschten.

Die Autorin Monika Taubitz, die seit Jahrzehnten am Bodensee lebt und Ehrenbürgerin der Stadt Meersburg ist, kam dem Wunsch von Batoul nach, die Geschichte ihrer abenteuerlichen Flucht und den Weg bis an den Bodensee aufzuzeichnen. Sie hat ein anrührendes Dokument dieser Flucht verfasst und zeigt darüber hinaus die wunderbar gelungene Integration von Batoul Marandi und ihren Kindern bei uns am Bodensee.

Diese Lesung von Monika Taubitz, zusammen im Gespräch mit der Neu-Meersburgerin Batoul Marandi, hat das Ziel, die oft klischeehafte Wahrnehmung des Begriffs „Flüchtling“ aufzubrechen und, lebendig präsentiert, eine differenzierte Lebensgeschichte einer syrischen Familie am Bodensee sichtbar zu machen.

So wird aus Literatur Begegnung. Klischees werden relativiert, Empathie gefördert und Mut gemacht, in Zeiten wie diesen wirklich genauer hinzuhören. Im besten Fall verändert solch eine Lesung vorgefasste Haltungen – und leistet damit einen Beitrag zur offenen Gesellschaft und wehrhaften Demokratie. Weitere Konstanzer Bürger:innen mit syrischem Hintergrund werden zudem eingeladen werden und freuen sich auf ein Gespräch mit Ihnen im Palmenhaus, an einem der schönsten Orte Konstanz.

Eröffnung mit dem Grußwort von Dr. David Tchakoura, Leiter Stabstelle Konstanz International, Stadt Konstanz

Sehr geehrte Frau Taubitz,
sehr geehrte Frau Marandi,
sehr geehrte Frau Dr. Müller-Windisch

liebe Gäste,

ich begrüße Sie herzlich im Namen der Stadt Konstanz und der Stabsstelle Konstanz
International zu dieser besonderen Lesung hier im Palmenhaus.

Mein besonderer Dank gilt Monika Taubitz. Sie hat die Geschichte von Batoul Marandi nicht nur aufgeschrieben, sondern ihr auch Raum und eine Stimme gegeben. Und ich danke Ihnen, liebe Frau Marandi, dass Sie heute bereit sind, Ihre Geschichte mit uns zu teilen.

Batouls Lebensweg führt uns von Aleppo an den Bodensee – durch Krieg, Verlust, Flucht und Unsicherheit, aber auch durch Mut, Hoffnung und einen neuen Anfang. Hinter dem oft pauschal verwendeten Begriff „Flüchtling“ steht immer ein Mensch: mit einer eigenen Biografie, mit Erfahrungen, Fähigkeiten, Beziehungen und Zukunftswünschen.

Genau hier liegt die besondere Kraft dieses Abends. Literatur macht Begegnung möglich. Sie hilft uns, genauer hinzuhören, vorschnelle Bilder zu hinterfragen und einen Menschen nicht auf seine Fluchtgeschichte zu reduzieren. Batouls Geschichte erzählt von großem Leid – aber ebenso von Selbstbehauptung, gelungener Integration und davon, was entstehen kann, wenn Menschen an einem neuen Ort Aufnahme und echte Teilhabe erfahren.

Als internationale Stadt ist Konstanz geprägt von Vielfalt, von Begegnungen und von Menschen, die aus unterschiedlichen Ländern und Lebensgeschichten zu uns gekommen sind. Eine offene Gesellschaft lebt jedoch nicht allein von guten Grundsätzen. Sie lebt davon, dass wir miteinander sprechen, einander zuhören und Unterschiede aushalten. Gerade deshalb sind Abende wie dieser wichtig: Sie schaffen Nähe, wo sonst leicht Distanz oder ein Klischee entstehen könnte.

Ich freue mich sehr, dass heute auch weitere Konstanzerinnen und Konstanzer mit syrischem Hintergrund eingeladen sind. So bleibt es nicht bei einer Lesung, sondern wird zu einem gemeinsamen Gespräch – und damit zu gelebter Begegnung.

Vielen Dank an:

  • Den Internationalen Bodensee Club (IBC), der im Rahmen seines Programms
    „Literatur an erlesenen Orten“ diese Lesung möglich macht.
  • BUND und Freundeskreis des Palmenhausareals e.V. für die Gastfreundschaft

„Im besten Fall verändert solch eine Lesung vorgefasste Haltungen – und leistet damit einen Beitrag einen Beitrag zur offenen Gesellschaft und wehrhaften Demokratie“. Diese Zielsetzung, die der IBC in der Pressemitteilung zu dieser Lesung formuliert hat, schließe ich mich an und wünsche uns allen in diesem Sinne einen eindrucksvollen Abend, viele neue Gedanken und vor allem die Bereitschaft, wirklich hinzuhören.

Vielen Dank!


Die Veranstaltung, in Kooperation mit der Stabstelle Konstanz International der Stadt Konstanz, dem BUND Konstanz, sowie dem Freundeskreis des Palmenhausareals e.V., ist offen für alle an Literatur und Politik interessierten Gäste.

Es war ein sehr bewegender und gut besuchter Abend, der bei allen Gästen einen tiefen Eindruck hinterlassen hat.

Ihre
Manuela Müller-Windisch